08.03.18
Die Geschichte mit dem Brot, dem Bäcker Wimmer und dem Lieferdienst – Zeit für Klarheit !

Seit Ende Februar steht UNSER LAND und damit auch BRUCKER LAND im Mittelpunkt einer Debatte. Die Vermischung verschiedener Themen und ebenso vermeintlich spannenden wie inhaltlich falschen Schlussfolgerungen sorgen für Verwirrung. UNSER LAND steht für Transparenz und die bietet das Netzwerk!

 

 

Regionaler Brotkreislauf sichert Existenzen

Auslöser der Diskussion ist das UNSER LAND Brot. 1994 war das BRUCKER LAND Brot der erste Botschafter der gemeinsamen Idee zum Erhalt der Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen in der Region. Entsprechend wertvoll ist dem Netzwerk dieses Lebensmittel, an dessen Erzeugung und Verarbeitung Landwirte, Mühlen und Bäcker beteiligt sind. Gemeinsam bilden sie bis heute einen engen regionalen Kreislauf. 34 Bäcker zählen zum Netzwerk. Sie backen ihre Brote mit UNSER LAND Mehl, manche auch das gesamte Sortiment - alle jedoch in traditionellem Handwerk und ohne Backmischungen.

Das Getreide stammt von UNSER LAND Getreidelandwirten, die nach den streng kontrollierten Richtlinien des Netzwerkes anbauen. Ein regionales Netzwerk arbeitet zwangsläufig mit kleineren Mengen als beispielsweise ein großer Konzern. Die Anbaumengen werden deshalb entsprechend dem Bedarf der Bäcker im Vorjahr vereinbart. So ist die Abnahme gesichert. Auch ein gewisser Puffer wird im Anbau mit eingeplant. So bleibt Spielraum für neue Bäcker, die im Laufe des Jahres mit UNSER LAND zusammenarbeiten möchten. Für ihr Getreide erhalten die Bauern faire Preise, wie auch die Bäcker für ihr Brot.

 

Auch Regionalität braucht Stabilität

Natürlich führt es zu Problemen, wenn sich ein Bäcker, der große Mengen abnimmt, entscheidet, das Regionalprogramm zu verlassen. Darauf muss ein räumlich begrenztes Netzwerk wie UNSER LAND mit Bedacht reagieren, um nicht alle Beteiligten des Kreislaufes existenziell zu gefährden. In der aktuellen Situation handelte es sich um die Bäckerei Max Wimmer in Fürstenfeldbruck. UNSER LAND bedauerte die Entscheidung von Inhaber Max Wimmer sehr, künftig kein regionales UNSER LAND Mehl mehr zu beziehen. Allerdings sind geschäftliche Entscheidungen zu respektieren. Derzeit ist Max Wimmer der größte Abnehmer von UNSER LAND Mehl. Er verbackt einen bedeutsamen Teil der Gesamtmenge des Netzwerkes. Es bestand Handlungsbedarf, um das regionale Brot- und Getreide-Projekt erfolgreich in die Zukunft zu tragen.
Zum Ausgleich gelang es UNSER LAND, einen langjährigen Partner aus dem Lebensmitteleinzelhandel für die Stabilisierung zu gewinnen. Rewe entschied sich, drei UNSER LAND Brotsorten anzubieten, gebacken von der MÜNCHEN LAND Bäckerei Ludwig Riedmair, selbstverständlich aus UNSER LAND Mehl und in handwerklicher Tradition. Dadurch kann UNSER LAND das Getreide der Vertragslandwirte weiter zu fairen Preisen abnehmen und auch die beteiligten Mühlen als Partner halten.

 

UNSER LAND & Amazon – genauer und korrekt betrachtet!

Eigentlich wäre das Thema Brot damit erklärt. Allerdings gab Max Wimmer als Grund für seinen Ausstieg aus der Regionalität den Umstand an, dass UNSER LAND entschieden habe, Produkte über die Internetplattform Amazon Deutschland anzubieten. Damit sorgte er, gewiss unbeabsichtigt, für eine große Debatte. Korrekt ist, dass Amazon seit August 2016 eine eigenständige Tochterfirma namens „Prime Now“ mit regionalem Bestell- und Lieferservice aufgebaut hat. Diese ist nur in einem regional abgegrenzten Bereich rund um München tätig. Der Lieferbereich von Prime Now liegt vollständig im UNSER LAND Netzwerkgebiet.
Seit Sommer 2017 arbeitet UNSER LAND erfolgreich und partnerschaftlich mit Prime Now zusammen.
Die UNSER LAND GmbH liefert rund 45 gekühlte und ungekühlte Artikel zweimal pro Woche an das Prime Now Lager in die Münchener City, von wo aus die Lieferungen an die Haushalte erfolgen. Frisches UNSER LAND Brot wird nicht über Prime Now verkauft. Die Verkaufsmengen sind noch überschaubar, liefern aber wichtige erste Erfahrungswerte.

 

Demokratisch entschieden – Ein Amazon Prime Now Testlauf

Die Entscheidung für diese Zusammenarbeit fiel in den ehrenamtlich arbeitenden zehn Solidargemeinschaften des Netzwerkes. Hier wird es ein wenig kompliziert, aber es lohnt sich, die Struktur anzuschauen. Die Solidargemeinschaften sind das ideelle Rückgrat von UNSER LAND. Sie erarbeiten und verabschieden Richtlinien, widmen sich der Bildungsarbeit und kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben. Außerdem liegen die wertvollen Rechte für das UNSER LAND Logo stellvertretend für alle Solidargemeinschaften bei BRUCKER LAND. Dies alles weist auf die wesentliche Position der Solidargemeinschaften im Netzwerk hin. Sie sind das Herz von UNSER LAND. Die UNSER LAND GmbH ist dagegen die Organisationsstruktur für die Vermarktung regionaler Lebensmittel und muss sich den Solidargemeinschaften regelmäßig erklären.
Als es um die Entscheidung pro oder contra Amazon Prime Now ging, diskutierten die Solidargemeinschaften diesen neuen Weg durchaus kontrovers. Diese Dialoge, verschiedene Sichtweisen und Werte sichern die Lebendigkeit und Integrität des Netzwerks. Letztlich waren es Argumente wie das regionale Angebot, die Unabhängigkeit am Markt, die Stabilisierung der Regionalkreisläufe und auch der Wunsch nach Erfahrungen mit den neuen Trends im Verbraucherverhalten, die in demokratischer Abstimmung zur Entscheidung ‚für‘ eine Zusammenarbeit führten.
Dabei machten die Solidargemeinschaften jedoch eine Einschränkung. Die Entscheidung gilt nur für ein Jahr. Dieses läuft im Juni 2018 aus. Dann wird die Zusammenarbeit rückblickend geprüft, aufgrund der Erfahrungswerte neu bewertet und neu abgestimmt. In dieser Phase befindet sich UNSER LAND aktuell.
Selbstredend spielt die Meinung der Verbraucher eine große Rolle. Aufmerksam verfolgt und führt UNSER LAND die momentane öffentliche Diskussion. Verbraucher sind willkommen, ihre Gedanken dazu direkt dem Netzwerk mitzuteilen. Dies können sie schriftlich tun. Sie sind jedoch auch eingeladen, sich aktiv als ehrenamtliches Mitglied in die Solidargemeinschaften einzubringen und Entwicklungen mit anzuleiten.

 

Jeder geht seinen Weg

Dass Max Wimmer das UNSER LAND Projekt verlässt bleibt trotzdem sehr unerfreulich. UNSER LAND lebt vom Gedanken der Solidarität. Nicht die Größe eines Betriebes spielt die zentrale Rolle, sondern das Miteinander für gemeinsame Ziele: den Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, regionale Wertschöpfung, Erhalt einer Kulturlandschaft, zu der das Bäckerhandwerk zählt, und einiges mehr. Gerade in den vergangenen zwei Jahren setzte UNSER LAND ein intensives Bildungsprojekt für die Vielfalt im Bäckerhandwerk um. Die ‚Jahreszeitenbrote‘ sind der geschmackliche Beweis für die individuelle Handwerkskunst einer alten Zunft. Die Medien griffen dieses Thema intensiv auf und die Verbraucher, ließen sich neben der Information besonders vom Geschmackserlebnis überzeugen.

Bis Ende Juli ist Max Wimmer noch Mitglied eines Verbundes von rund 300 Erzeuger- und Verarbeitungsbetrieben, die sich für das Wirtschaften innerhalb regionaler Kreisläufe zur Stärkung ihrer Heimat entschieden haben.
Danach beginnt für ihn eine neue geschäftliche Ausrichtung jenseits des regionalen Netzwerkes. Was bleibt, ist das Bedauern, kein UNSER LAND Mehl mehr in seine Backstube zu liefern. Vielleicht kehrt er ja irgendwann zu diesen Wurzeln zurück. Die Tür bleibt offen. Sollte sich Max Wimmer für ein vorzeitiges Verlassen von UNSER LAND entscheiden, wird das Netzwerk ihm auch dies ermöglichen. UNSER LAND wünscht der Bäckerei Wimmer bei ihrem weiteren Weg ein gutes Gelingen.