Starnberger Land blüht auf!

„Starnberger Land blüht auf “ ist ein Projekt der Solidargemeinschaft STARNBERGER LAND e.V. und des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Starnberg.

Auftakt des Projektes

Den Auftakt für dieses Projekt machte der Vortrag von Herrn Dr. Reinhard Witt „Naturnahes öffentliches Grün – neue Wege zu mehr Biodiversität mit heimischen Pflanzen“. Der Experte für die Planung naturnaher Gärten und Landschaften stellte Methoden vor, die eine nachhaltige und gleich optisch ansprechende Gestaltung von öffentlichen Flächen erlauben. Anwesend waren mehr als 50 Personen, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und Stellvertreter,  Mitarbeiter  und Mitarbeiterinnen aus Verwaltungen und von den gemeindlichen Bauhöfen, Mitarbeiter und Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Starnberg, Mitglieder von der Solidargemeinschaft Starnberger Land, Vorsitzende von Gartenbauvereinen, Firmenvertreter, Johann Oberhofer von der VR-Bank-Starnberg, Herrsching, Landsberg, Imker und  interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Ziel des Projektes

Das Ziel dieses gemeinsamen Projektes von Solidargemeinschaft STARNBERGER LAND und dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg ist die Stärkung und den Erhalt der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen. Öffentliche Flächen sollen langfristig für einen Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere umgewandelt werden. Aus diesem Grund wurden Kommunen und größere Firmen zum Mitmachen eingeladen. Mit Andechs, Seefeld, der Stadt Starnberg und dem Landkreis Starnberg sowie der AWA Ammersee gKU, der VR-Bank Starnberg, Herrsching, Landsberg und TQ-Systems bringen sich sieben Interessierte mit verschiedenen Umwandlungsflächen ein.

Besichtigungsfahrt

Die Begehung dieser Flächen erfolgte im Mai 2019 mit Herrn Dr. Witt und seiner Partnerin Frau Katrin Kaltofen sowie Frau Jana Schmaderer, 1. Vorsitzende von STARNBERGER LAND und Frau Anna E. Neppel, 1. Vorsitzende vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. Zum Abschluss der Besichtigungstour wurde eine Pilotgemeinde mit Demonstrationsflächen festgelegt, die gemeinsam mit Herrn Dr. Witt und den Bauhofmitarbeiter und Bauhofmitarbeiterinnen angelegt und gepflegt wurden.

Die von der Gemeinde Andechs gemeldeten Flächen wurden besichtigt. In Erling waren dies das Straßenbegleitgrün am Kerschlacher Weg – auf Höhe Einfahrt Sonnenanger, Ecke mit Bushäusl an der Einfahrt der Fischener Straße in die Herrschinger Straße und gegenüberliegende Fläche am Hang, Wiesenfläche zwischen Containeranlage und  Minigolfplatz, Wiesenfläche beim TSV-Gelände. In Machtlfing führte der Weg zum Dorfplatz und zur Hangfläche an der Haushoferstele und  zum Obstlehrgarten. In Frieding besuchte die Bewertungsgruppe die Mariensäule, die Wiesenfläche an der Hartstraße gegenüber dem Autohaus und den Fußweg entlang der Kirchenmauer.

Die Fachplaner Herr Dr. Rainer Witt und Frau Katrin Kaltofen legten für jede der genannten Flächen ein sog. Aufwertungskonzept vor. Das Ergebnis wurde dem Gemeinderat vorgestellt und die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen wurde zeitlich festgelegt. Die Mitarbeiter des Bauhofes nahmen im September an einer Fortbildung „Anlegen von Gemeindeflächen zum Erhalt der Arten- und Insektenvielfalt“ teil.

Auswahl der Pilotgemeinde

Am Ende der zweitätigen Besichtigungsfahrt wurde die „Stadt Starnberg“ als Pilotgemeinde ausgewählt. Diese Entscheidung hat sich das Bewertungsteam Dr. Reinhard Witt, Karin Kaltofen (beide Naturgartenplaner), Jana Schmaderer (1. Vorsitzende Solidargemeinschaft STARNBERGER LAND) und Anna E. Neppel (1. Vorsitzende Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg) nicht leicht gemacht. Es waren die Wiesenfläche am Ortseingang von Söcking, die Streuobstwiesenfläche am Mausoleum Söcking, eine Fläche am Bahnhof Nord, eine Wiesenfläche an der Possenhofener Straße und ein Randstreifen an der Gautinger Straße die sich als sehr geeignet zum Demonstrieren der verschiedenen Aufwertungsmethoden dargestellt haben.

Der erste Praxistag

Mit Andechs, Seefeld, der Stadt Starnberg, dem  Landkreis Starnberg sowie der AWA Ammersee gKU, brachten sich Ende 2019 fünf Teilnehmer mit verschiedenen Umwandlungsflächen ein. Die Gemeinde Krailling und die evangelische Akademie Tutzing werden als Gastteilnehmer an den Praxistagen teilnehmen. Der erste Praxistag fand am 31.10.2019 statt. In Starnberg wurden die Wiesenfläche am Ortseingang von Söcking, die Streuobstwiesenfläche am Mausoleum Söcking, eine Fläche am Bahnhof Nord, eine Wiesenfläche an der Possenhofener Straße und ein Randstreifen an der Gautinger Straße in naturnahes öffentliches Grün umgewandelt. Je nach Gelände, Bodenbeschaffenheit und Nutzung wurden auf einigen dieser Flächen am Praxistag die  Methoden zum Anlegen und Pflegen von naturnahen öffentlichen Flächen mit echten heimischen Wildpflanzen, Wiesenblumen und Gräsern von den Naturgartenplanern gezeigt und dann gemeinsam angelegt.

Techniken zum Anlegen einer Wildblumenwiese

Viele Menschen denken beim Wort „Biene“ nur an die Honigbiene. Tatsächlich gibt es in Deutschland ungefähr 550 Bienenarten. Bekannt sind hier insbesondere die Mauerbiene, Wollbiene, Pelzbiene, Seidenbiene und die Hummel. Die heimischen Wildbienen produzieren keinen Honig, sind aber wertvolle Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen.  Sie haben verschiedene Ansprüche an den Lebensraum und die Nahrungsquelle.

Jeder Naturliebhaber kann im eigenen Garten den Insekten, Schmetterlingen, Wildbienen und Bienen helfen. Ein naturnaher Garten mit vielen einfach blühenden und mehrjährigen Wildblumen und Kräutern, einem Totholzhaufen, (mit Erdlöchern) und Hecken, einer wilden Ecke und einer Wasserstelle ist eine wertvolle Hilfe zum Erhalt der Naturvielfalt.

Herr Dr. Reinhard Witt und Frau Katrin Kaltofen, die Naturgartenplaner, empfehlen den Kommunen oder auch Gartenbesitzern vier verschiedene Techniken zum Anlegen einer Wildblumenwiese mit heimischen Pflanzenmaterial.

1. Neuanlage (auch auf einer Teilfläche möglich) mit Ansaat und Initialstauden

  • Der Oberboden mit dem gesamten Bewuchs ist je nach Standort 10 bis 30 cm tief zu entfernen. Wurzelunkräuter wie Quecke, Brennnessel oder Ampfer sind tief auszugraben.
  • Ersetzen durch jeweils 10 bis 30 cm mineralisches Substrat mit Nullanteil
  • Einarbeiten von 2 cm sterilem Kompost mit Misthacke, Rechen oder Fräse in die oberen 2- 3 cm.
  • Pflanzung von Initialstauden (1 – 3 auf 1 m²).
  • Einsaat von speziellen mehrjährigen Blumenmischungen für magere Standorte
  • Ansaatfläche vorsichtig oberflächlich rechen.

2. Umwandlung von artenarmen Rasen-/Wiesenflächen nach der Burri-Methode

  • Fläche kurz mähen, anschließend mit der Umkehrfräse bearbeiten oder pflügen, bzw. mehrmals mit der Rotationsfräse bearbeiten, bis der Aufwuchs vertrocknet/ abgestorben ist.
  • Unkraut 2 – 3 Wochen auflaufen lassen
  • Eventuell aufkommenden Unkrautbewuchs mit einer normalen Fräse/Kreiselegge/oder Rechen auf einer kleineren Fläche bearbeiten und vernichten.
  • Boden 2 – 3 Wochen setzen lassen
  • Feinkrümmelige Oberflächenstruktur herstellen (durch rechen, fräsen, eggen etc.)
  • Neueinsaat einer mehrjährigen Wildblumenmischung
  • Anwalzen der gesamten Fläche
  • 2 – 4 Schröpfschnitte der auflaufenden Samenunkräuter durchführen und Mähgut abfahren oder wegrechen.
  • Erst im 2. Jahr kommt es zur Blüte, dann 2 bis 3mal jährlich mähen. Mähgut abfahren.
  • Das 2 – 3malige Mähen ist für eine Blüte von mehrjährigen Wildstauden sehr wichtig!

3. Artenanreicherung durch Pflanzung von Wildstauden

In die bestehende Grasnarbe werden 3 bis 5 Initialstauden pro Quadratmeter gesetzt. Dazu den Bestand sehr kurz mähen, dann die Stauden möglichst gleichmäßig verteilen und einpflanzen. Durch eine Pflegeumstellung auf „ein – bis dreimalige jährliche Mahd“ mit Abräumen des Mähgutes können sich die eingebrachten Arten über Aussaat nach und nach verbreiten. Initialstauden können sein: Wiesen-Glockenblume, Schwarze Flockenblume, Skarbiosen-Flockenblumen, Wiesensalbei, Witwenblume, Augenwurz, Labkraut, Alant, Küchenschelle, Heil-Ziest, Ähriger Ehrenpreis, Pechnelke.

4. Naturentwicklung

Vorausgesetzt, es ist schon ein artenreicher Bestand vorhanden. Es kann durch eine einfache Pflegeumstellung (weniger Mähen und Abräumen des Mähgutes) ein Saum oder einer Blumenwiese entstehen. Zwiebelblüher können hier eine wertvolle Ergänzung sein. Zwiebelblüher können sein: Neapel-Lauch, Windröschen, Traubenhyazinthe, Milchstern, Wildtulpen, Kleiner Krokus, Elfenkrokus, Winterling, Schneeglöckchen, Blaustern, Schneestolz, hohler Lerchensporn.  Wildblumenflächen oder Blühwiesenflächen müssen im Jahr 1 bis 3 x gemäht werden. Das Mähgut soll nach Möglichkeit 1 bis 3 Tage liegen und muss dann entfernt werden.  Das Mulchen ist der Tod jeder Blühwiesenfläche. Ebenso sollten die Gartenbesitzer im Hinblick auf die Artenvielfalt und den Tierschutz auf Mähroboter verzichten.

Der erste Pflegetag

Die erste Pflege von Flächen in der Pilotkommune Starnberg am Bahnhof Nord und ein Straßenbegleitstreifen in unmittelbarer Nähe an der Gautinger Straße fand mit Dr. Reinhard Witt und Katrin Kaltofen am 8. Juni 2020 statt. Mit dabei waren eine Mitarbeiterin/Gärtnerin des Bauhofes der Stadt Starnberg, ein Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Andechs (nicht auf den Bildern),  Jana Schmaderer die Vorsitzende der Solidargemeinschaft Starnberger Land e.V. und Anna E. Neppel die "Nochvorsitzende des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Starnberg". Zur fachlichen Unterstützung kamen Dorothea Burger von der Stadtverwaltung Starnberg (nicht auf den Bildern) und auch der Kreisfachberater Jürgen Ehrhardt hinzu, der die Bilder gemacht hatte. Die Flächen in Starnberg zeigten sich in einem guten Zustand und blühten (insbesondere an der Possenhofener Straße) sehr bald ausgiebig.

Der zweite Praxistag

Am 19. August 2020, trafen sich Gärtner, Mitarbeiter der Bauhöfe und vom Stadtbauamt sowie die Organisatoren gemeinsam mit den Planern des Projekts in der Stadt Starnberg. Der Naturgartenplaner Dr. Reinhard Witt und seine Partnerin Katrin Kaltofen veranschaulichten an drei Standorten der Pilotgemeinde Starnberg, wie diese zu pflegen sind, um einen dauerhaften Erfolg zu gewährleisten.

Am Rondel am Bahnhof Nord, entlang der Gautinger Straße und an der Possenhofener Straße entwickeln sich an ganz unterschiedlichen Standorten bereits im ersten Jahr blühende und artenreiche Flächen mit vielfältigen heimischen Blumen und Stauden. Durch das trockene Frühjahr und die Starkregenereignisse im Juni und August, sind diese aber ca. 6-8 Wochen in der Entwicklung zurück, was dem Erfolg aber keinen Abbruch tut. Vom Natternkopf, über den schmalblättrigen Hohlzahn bis  zur – wohlgemerkt – heimischen Goldrute, wachsen hier Pflanzen, die wertvollen Lebensraum für zahlreiche Insekten und Vögel bieten – und dies dauerhaft.

Damit sich diese Pflanzen gut entwickeln können,  ist eine durchdachte Pflege notwendig, und so zeigte Dr. Witt den anwesenden Mitarbeitern der Stadt Starnberg und der Gemeinde Krailling, an welchen Merkmalen die zu jätenden Unkräuter zu erkennen sind.  Allein ein kanadischer  Katzenkopf bildet  30.000 Samen aus, und die sind auf diesen Flächen nicht erwünscht; rechtzeitiges Jäten ist also das A und O! Zudem muss eine artenreiche, mehrjährige Blühfläche  auf einem sogenannten „fetten Standort“ 2 x im Jahr gemäht werden. Dieser Hinweis war Dr. Reinhard Witt und Katrin Kaltofen für die Zukunft und den Erhalt der neuangelegten und noch anzulegenden Blühflächen sehr wichtig.

Text: Anna e. Neppel (1. Vorsitzende Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg e.V.)
und Jana Schmaderer (1. Vorsitzende Solidargemeinschaft STARNBERGER LAND e.V.)

Blühfläche Gautinger Straße
Blühfläche Bahnhof Nord
Blühfläche Possenhofener Straße
Blühflächen-Infotafel
Das Team v.r.n.l.(hinten) Jana Schmaderer, Anna E. Neppel, Dorothea Burger, Katrin Kaltofen, drei Stadtgärtner der Stadt Starnberg; v.r.n.l. (vorne) zwei Bauhofmitarbeiter der Gemeinde Krailling, Dr. Reinhard Witt
Dr. Reinhard Witt, Naturgartenplaner
Begehung Erling
Acker Rittersporn
Zeitungsartikel "Wie man es richtig blühen lässt" im Starnberger Merkur vom 01.11.2019
Heimische Goldrute
Blühflächen Infotafel

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